Zweites Forschungsprojekt "SV neu gedacht und praktisch entwickelt" eröffnet

Das neue Projekt widmet sich dem Transfer der historischen Erfahrung der Ruhrbesetzung 1923 in die Konzeptentwicklung zur Sozialen Verteidigung der Zukunft. Diese historische Erfahrung und die Erfahrung des Widerstands in der Tschechoslowakei 1968 gegen den Einmarsch des Warschauer Paktes sind die beiden historischen Fälle, in denen eine Regierungen bewusst auf militärische Gegenwehr verzichtete und eine zivile Landesverteidigung gegen den militärisch einrückenden Gegner wählte.

Dabei ist die Erfahrung in Deutschland im Jahr 1923 die einer vollständigen Improvisation. Es gab weder eine Vorstellung, wie ziviler Widerstand wirken kann, noch, welche gesellschaftlichen Kräfte sich beteiligen würden und welche Wirkungen man davon erwarten konnte. Gleichwohl wurden aus der Situation heraus Richtlinien entwickelt, Handlungsanweisungen erstellt und Erwartungen formuliert. Es wurden also in hohem Maße praktische Erfahrungen gesammelt – gute wie kritische. Diese gilt es nun für die Konzeptentwicklung Sozialer Verteidigung auszuwerten und das bisherige Konzept damit zu bereichern und zu ergänzen. Umgekehrt können aus der bisherigen Konzeptentwicklung Annahmen und Hypothesen daraufhin überprüft werden, ob die historische Situation sie eher bestätigte, falsifizierte bzw. differenzierte. In diesem Projekt steht als historische Erfahrung erst einmal nur der zivile Widerstand gegen die Ruhrbesetzung 1923 im Fokus.

Im Ausblick entwickelt das Projekt einen groben Rahmen für die Aktualisierung der Konzeptentwicklung von Sozialer Verteidigung für diverse aktuelle Bedrohungsszenarien für Demokratien und zivile Gesellschaften. Das soll die Grundlage schaffen, um eine fokussiertere Aufarbeitung historischer Erfahrungen zu ermöglichen, aber auch, um aktuelle Erfahrungen mit der praktischen Entwicklung von Sozialer Verteidigung systematisch zu erfassen und zu reflektieren. Im besten Fall lassen sich aus der Systematik Forschungs- und Praxisdesigns für die Fortentwicklung von Sozialer Verteidigung für die verschiedenen Bedrohungssituationen ableiten und in nachfolgenden Projekten umsetzen.

Dem Buchprojekt folgen Veröffentlichungen zu Teilaspekten, Vorträge, oder auch Workshops, die sich aus dem weiteren Forschungsgang entwickeln werden.

Dr. Barbara Müller, Wahlenau, 27.6.2024

Spenden erbeten unter dem Titel des Forschungsprojektes auf das Konto des IFGK bei der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, IBAN DE77 5605 1790 0014 0124 88, BIC MALADE 51 SIM

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